Baldrian – Valeriana officinalis -, Baldriangewächs – Valerianaceae

Inhaltsstoffe:

  • Valerensäure (beruhigend)
  • Valepotriate
  • Alkaloidspuren

Wirkungen abends:

  • Schlafbereitschaft fördernd
  • Schlafqualität verbessernd

Wirkungen Tags:

  • beruhigend und entspannend
  • psychisch ausgleichend
  • Antrieb-, Konzentration-, Lernvermögen steigernd
  • adaptogen (Erhöhung der Stressresistenz)

Indikationen:

  • Nervös bedingte
    – Ein- bzw. Schlafstörungen
    – Erschöpfung
    – Erregung und Unruhe
    – Lernschwierigkeiten
  • Angst bedingte
    – Spannungszustände
    – Lernschwierigkeiten
    – Lampenfieber und Prüfungsangst
  • Reizblase, Bettnässen

Darreichungsformen innerlich:

  • Tee
  • Tinktur
  • Extrakte
  • Presssäfte
  • Wein

Darreichungsform äußerlich:

  • Vollbad

Achtung! Ausreichend hoch dosieren, sonst sind paradoxe (anregende Wirkung) möglich.

Saponine – Seifenstoffe

Saponine sind Glycoside von Steroiden, Steroidale Glykoalkaloide (stickstoffhaltige Steroide) oder Triterpenen. Man spricht daher auch von Steroidsaponinen, Steroidalkaloidsaponinen und Triterpensaponinen. Aufgrund der Vielzahl möglicher Kohlenhydratstrukturen und der großen strukturellen Variabilität der Aglycone weist diese Stoffgruppe eine entsprechend große Strukturvielfalt und damit eine große Variabilität in den biologischen Eigenschaften auf.

Kastanienblüte

Saponine werden so bezeichnet, da sie beim Schütteln mit Wasser oft einen seifenartigen Schaum ergeben. Demgemäß steht auch eine allgemeine Wirkungsweise dieser Verbindungsklasse im Vordergrund, die mit der Detergenzeigenschaft zusammenhängt. Saponine bilden im Allgemeinen stabile Schäume, zeigen häufig hämolytische Aktivität, beeinflussen die Membranpermeabilität, komplexieren Cholesterin, haben mitunter einen bitteren Geschmack (Ausnahmen: Glycyrrhizin, das den süßen Geschmack der Lakritze ausmacht sowie die sehr süßen Mogroside aus der chinesischen Pflanze Siraitia grosvenori und sie sind piscizid (giftig für Fische).

Die Saponine als Untergruppe der Glykoside nehmen einen wichtigen Platz unter den therapeutisch wirksamen Bestandteilen von Heilpflanzen ein. Entsprechend ihrer großen Strukturvielfalt werden auch eine Vielzahl unterschiedlicher biologisch-pharmazeutischer Eigenschaften beobachtet. Es werden u. a.

  • stärkende,
  • entzündungshemmende,
  • harntreibende,
  • schleimtreibende/schleimlösende
  • hormonstimulierende
Efeu mit Fruchtansatz

Eigenschaften beobachtet. Außerdem unterstützen sie die Aufnahme anderer Inhaltsstoffe aus dem Darm und binden andererseits Cholesterin. Man vermutet auch eine präventive Wirkung gegen Darmkrebs durch eine hemmende Wirkung auf die Zellteilung im Darm.

Saponine dürfen jedoch nicht in die Blutbahn gelangen, da viele von ihnen schon in geringer Menge eine hämolytische (blutauflösende) Eigenschaft besitzen, also zur Zerstörung der roten Blutkörperchen führen. Bei Entzündungen der Darmwand können Saponine die Durchlässigkeit der Darmwand erhöhen.

Vorkommen

Saponine sind weit verbreitet. Sie sind v. a. in der Wurzel, der Knolle, den Blättern den Blüten und den Samen enthalten. Man findet sie in

  • Gemüsepflanzen
    Sojabohnen, Kichererbsen, Erdnüssen, Mungobohnen, Saubohnen, Linsen, Erbsen, Spinat, Hafer, Auberginen, Spargel, Fenchel, Knoblauch, Zuckerrüben, Tomaten, grüne Paprika, Kartoffeln (Solanin), Zwiebeln etc.
  • Genusspflanzen
    Tee, ewiges Jugendkraut (Jiaogulan), Vogelmiere, Quinoa
  • in Arzeneipflanzen
    Ginseng, Efeu, Lungenkraut, Primeln, Rosskastanie
  • Andere
    Echtes Seifenkraut, Kornrade, Luzerne, Waschnussbaum etc.
Das Seifenkraut ist bei Taubenschwänzchen sehr beliebt

Saponine dienen den Pflanzen wahrscheinlich als Defensivstoffe, beispielsweise gegen Pilzbefall und Insektenfraß. Sie gehören zu den Sekundären Pflanzenstoffen.

Arzneipflanzenanwendungen bei Tieren

Im Gegensatz zum Menschen müssen bei der Anwendung von Heilpflanzen bei Tieren unbedingt tierartspezifische Unterschiede der Anatomie, Physiologie und daraus resultierenden Verdauungsvorgänge berücksichtigt werden, damit wir ihnen im ungünstigsten Fall nicht Schaden, sondern ihnen nur zu mehr Gesundheit und Wohlbefinden verhelfen. Eine direkte Übertragung humanmedizinischer Kenntnisse auf alle unsere Tierspezies ist NICHT möglich.

Wir müssen Unterscheiden, ob wir einen reinen Fleischfresser (z. B. die Katze und das Frettchen) oder aber einen Allesfresser (z. B. das Schwein und eingeschränkt der Hund) oder einen reinen Plfanzenfresser (z. B. Kaninchen und Meerschweinchen, Pferde, Wiederkäuer wie z. B. Rind und Schaf) mit Arzneipflanzen behandeln.

Außerdem müssen wir wissen, dass nicht jede Heilpflanze bei jedem Tier die gleiche Wirkung erzielt. Nehmen wir z. B. Baldrian, dann wissen wir, dass er auf Hunde und Nager beruhigend, auf Katzen jedoch Sexualtrieb anregend wirken kann. Oder wir müssen berücksichtigen, dass Katzen und Frettchen viele pflanzliche Produkte nicht oder nur eingeschränkt verstoffwechseln können, da ihre Leber nicht über die erforderlichen „Entgiftungsmechanismen“ verfügt.

Allen Spezies (inkl. Mensch) gemein ist, dass auch das Alter und evtl. Grunderkrankungen (z. B. Leberinsuffizienz) bei der Wahl der Heilpflanze sowie ihrer Dosierung zu berücksichtigen sind.

Ackerschachtelhalm Equisetum arvense Schachtelhalmgewächse – Equisetaceae

Inhaltsstoffe:

  • Kieselsäure bis 10% davon ca. 7% wasserlöslich – Kieselsäuredroge Nr. 1!!!
  • Flavonoide

Wirkungen:

  • schwach harntreibend
  • fördert die Ausscheidung von harnpflichtigen Substanzen bei Nieren-, rheumatischen u. Haut-Erkrankungen
  • Hautstoffwechselanregend, bindegewebsfestigend
  • Wundheilungsfördernd und mild juckreizlindernd

Indikationen – innerlich:

  • Durchspülung der ableitenden Harnwege
  • rheumatische Erkrankungen, Gicht

Indikationen – äußerlich:

  • schlecht heilende Wunden – Anregung des Hautstoffwechsels
  • unterstützt die Behandlung chronischer, juckender Ekzeme
  • unterstützt den Heilungsprozess nach Knochenbrüchen
  • kosmetisch pflegend bei Haut- und Haarproblemen

Darreichungsformen:

  • Tee (Infus) besser eine Abkochung (Dekokt)
  • Umschläge, Komressen …
  • Frischpflanzenpresssäfte
  • Fertigpräparate

Kapuzinerkresse – Tropaeolum majus L.; nicht nur für den Menschen mehr als eine leckere Salatbeilage –

Einleitung

Resistenzen gegen Medikamente sind vor allem in Bezug auf Bakterien und Pilze ein sehr ernstes Problem in der Humanmedizin wie auch in der Tiermedizin. Viel zu oft werden Antibiotika oder auch Antimykotika unsachgemäß, d. h. zu früh, unzureichend lang und oft ohne Antibiogramm und Resistenztest angewendet. Resistenzen gegen gängige Chemotherapeutika sind die bedrohliche Folge. Neben der Optimierung der Anwendung der Chemotherapeutika sind wir v. a. gezwungen uns nach alternativen Therapeutika umzusehen. Diese finden wir im Pflanzenreich. Neben ihrem teils herausragenden Wirkprofil bergen sie als Vielstoffgemische deutlich weniger Angriffspunkte für die Resistenzbildung von Bakterien und Pilzen und letztlich auch Viren.

Senfölglykoside stellen ein Beispiel für pflanzliche Wirkstoffe mit nachgewiesener antibakterieller, antimykotischer und antiviraler Eigenschaft dar. Senfölglykoside sind v. a. im Meerrettich, in der Kapuzinerkresse, der Gartenkresse, der Brunnenkresse und in allen Kohlarten enthalten.

Geschichtliches

Holländische Seefahrer brachten die „blutrote“ Kapuzinerkresse aus Peru nach Europa mit. Dort wurde sie zuerst in Klostergärten gezogen, woher vermutlich ihr deutscher Name „Kapuzinerkresse“ herrührt. Der auffällige Sporn der Blüte soll an die Kapuze der Kapuzinermönchkutten erinnern.

Mönche haben sich mit der Heilkunde der Indianer befasst und dabei auch die Kapuzinerkresse als Heilpflanze beschrieben. Bei den Indianern Südamerikas wird die Pflanze heute noch bei Hautkrankheiten, Skorbut, Vergiftungen, Kopfschmerzen, Husten und Bronchitis verwendet. Vor etwa 300 Jahren wurde die Kapuzinerkresse auch in Europa bekannt.

Botanik

Blütengröße: 3 -6 cm
Blütenstiel:               6-13 cm   
Blütezeit:                   Mai bis November               

Die Vielfalt der Blütenfarben reicht von gelb über orange bishin zu dunkel rot
Die Blüten sind nicht nur eine Augenweide sondern auch ein großer Genuss

Stammpflanze:      Tropaeolum majus L. Große Kapuzinerkresse

Hauptmerkmale:

bildet niederliegende Stängel und erreicht eine Höhe von 20 – 50cm. Ohne geeignete Unterlage klettert sie als Blattstielranker bis 3m hoch

Pflanzentyp:           

ausdauernd, nicht winterhart, daher in unseren Breiten i. d. R. einjährig

Kultivierung:          

als Hybride entstanden und als Gartenpflanze seit 1684 kultiviert

Standortansprüche:         

sonnig bis halbschattig, nicht zu nass und nicht zu trockenwächst auf kargen, nährstoffarmen Böden.

Blätter bis ca. 10 cm im Durchmesser, vom Blattstiel gehen 9 radiär ausgerichtete Blattadern aus
Der Geschmack ist kresseartig, scharf
Die Frucht enthält 3 einsamige Teilfrüchte

Wirkstoffe / Inhaltsstoffe

Glucosinolate:

Glucotropaeolin (= Benzylglucosinolat) ist das Hauptglucosinolat des frischen Krautes. Aus dem frischen Kraut wurde wenig ätherisches Öl gewonnen, das etwa 90 % Benzylisothiocyanat enhält.
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Ascorbinsäure: In frischen Blättern wurden etwa 300 mg, in frischen Blüten etwa 130 mg Ascorbinsäure pro 100 g gefunden.
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Enzyme: In allen Pflanzenteilen Myrosinase. In frischen Keimpflanzen weitere Enzyme.
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Weitere Inhaltsstoffe:
Alle oberirdischen Teile der Pflanze enthalten mehrere Polyphenole, darunter:

  • Chlorogensäure und ein in seiner Struktur nicht endgültig aufgeklärtes
  • Quercetinglucosid, dieses gilt als Hauptflavonoid in den oberirdischen grünen Pflanzenteilen.
  • In den Blüten wurde eine geringe Menge eines Kämpferolglucosids sowie
  • Anthocyane (Flavonoid) vom Cyanidin- und Pelargonidintyp gefunden.

Carotinoide sind in den Blüten in größerer Menge enthalten

Wirkungen:

  • Bakteriostatisch (bei grampositiven und gramnegativen Bakterien sowie gegen multiresistente Staphylokokken
  • Virustatisch (gegen H1N1-Viren ca. 90% Reduktion)
  • Antimykotisch
  • Hyperämisierend

Nebenwirkungen:

  • Evtl. Haut- und Schleimhautirritationen
  • Mögliches Kontaktallergen für die Haut
  • Überdosierungen können zu einer Albuminurie, vermutl. durch Schädigung des Glomerulum- Tubulussystems, führen

Kontraindikationen:

  • Magen- und Darmulzera, Nierenerkrankungen, Säuglinge und Kleinstkinder (mangels Datenlage)

Anwendungsgebiete

Indikationen nach Kommission E begleitend bei:

  • bei Infekten der ableitenden Harnwege
  • bei Katarrhen der Luftwege
  • bei leichten Muskelschmerzen

Da es zum Zeitpunkt der Verabschiedung der Monografie nur ein Kombinationspräparat mit Meerrettichwurzel auf dem Markt gab und kein „nur Kapuzinerkresse“ enthaltenes Präparat, wurde für das Kapuzinerkressekraut erstmal nur eine positive Stoffcharakteristik bestätigt.

Den Senfölen wird generell auch eine immunstimulierende Wirkung zugeschrieben.

Aus diesem Grund gibt es auch im Wesentlichen nur eine Vielzahl an aussagekräftigen Untersuchungen / Studien zu Kombinationspräparaten wie z. B. Angocin® Anti-Infekt der Fa. Repha GmbH.

Es konnte vielfach gezeigt werden, dass ein Nativpräparat aus Kapuzinerkresse und Meerrettichwurzel (Armoracia rusticana) eine breite antibakterielle Wirkung aufweist. Und zwar sowohl gegen:

  • klinisch relevante grampostive und gramnegative Bakterien, die für Infektionen der oberen Atemwege und Harnwege verantwortlich sind als auch gegen
  • Multiresistente Bakterien

Der ggf. auch zu anderen Maßnahmen ergänzende Einsatz dieser Pflanzenextrakte zur Behandlung von unkomplizierten Blasenentzündungen und Atemwegsinfektionen ist empfehlenswert.