Von der Pflanze zum ätherischen Öl und zum Hydrolat

Könnte das Bild jetzt Geruch verströmen es würde nach Lavendel oder nach Salbei oder vielleicht auch Pfefferminze oder Immortelle duften

Destillation

Destillation – kosmisch betrachtet – ist der grundlegende Prozess allen Lebens auf dieser Erde.  Wir können den Wasserkreislauf der Erde als Destillation (lat. destillare „herabtröpfeln“) betrachten: Durch die Wärme der Sonne steigt reines Wasser in Form von Dampf aus den Meeren auf, lässt Salze und allen Schmutz zurück, kondensiert in den kühleren Luftschichten zu Wolken, wird vom Wind über das Land getragen und kommt als Leben spendender Regen zurück auf die Erde. Die Destillation – technisch betrachtet –  ist ein mindestens seit der Antike bekanntes thermisches Trennverfahren, um verdampfbare Flüssigkeiten zu gewinnen oder Lösungsmittel von schwer verdampfbaren Stoffen abzutrennen. Die Destillation hat gegenüber anderen Trennverfahren den Vorteil, dass i. d. R. keine weiteren Stoffe wie Adsorbenzien oder Lösungsmittel hinzugefügt werden müssen. Das „Brennen“ von Alkohol und die Produktion von Aquadest (destilliertem Wasser) geschieht über Destillation.

Wasserdampfdestillation

Die einfache Wasserdampfdestillation eignet sich zur Herstellung von Pflanzenwässern (Hydrolaten) und besonders zur Gewinnung ätherischer Öle sowie der Lauch- und Senföle. Bei der Wasserdampfdestillation wird das Pflanzenmaterial in Wasser bis zum Sieden erhitzt. Dadurch entweichen die flüchtigen ätherischen Öle aus den Sekretbehältern der Pflanze und werden mit dem aufsteigenden Wasserdampf mitgeschleppt. Im Kondensator trennen sich Wasser und die nicht in Wasser löslichen Komponenten wieder und die ätherischen Öle können abgetrennt werden. Bei diesem Verfahren kommt es durch die Wärmeeinwirkung zu chemischen Reaktionen unter den flüchtigen Komponenten, sodass neue Verbindungen entstehen können,  z.B. das für das ätherische Öl der Kamille typische blaue Chamazulen, das erst durch eine thermische Reaktion aus dem farblosen Matricin gebildet wird.

Destillen für den Eigengebrauch

Die Destillation ist gesetzlichen Beschränkungen unterworfen. Früher waren nur Destillieranlagen unter 0,5-Liter- Brennkessel privat zur Alkoholherstellung erlaubt. Dies hat sich 2018 geändert. Ab dem 1. Januar 2018 ist es verboten, „Brenn- und Reinigungsgeräte, die zur nichtgewerblichen Gewinnung und Reinigung von Alkohol bestimmt sind, unabhängig vom Fassungsvermögen der Brennblase, und auch sonstige Geräte, die zur nichtgewerblichen Gewinnung und Reinigung von Alkohol benutzt werden, unabhängig vom Fassungsvermögen des Gerätes, anzubieten, abzugeben und in Besitz zu halten.“ Glücklicherweise gibt es Destillen, die für die Alkoholherstellung unbrauchbar, für die Herstellung von ätherischen Ölen und Hydrolaten aber geeignet und konzipiert sind. Eine Genehmigung zum Erwerb und zur Aufstellung solcher Destillen kann unter bestimmten Bedingungen durch den Zoll erfolgen.

Die hier gezeigte Destille ist bei www.aetherischesoel.at erhältlich

Die Kuperdestille

Vorteile der Kupferdestille

  • robust
  • hohe Wärmeleitfähigkeit gewährleistet gleichmäßige Erhitzung
  • Kupferionen wirken antimikrobiell (längere Haltbarkeit des Destillates)
  • binden bei der Destillation entstehende Schwefelwasserstoffe und Fettsäuren

Nachteile

  • teuer in der Anschaffung
  • unerwünschte Reaktionen mit einigen Pflanzen (z. B. blaue Kamille, Nelke, Thymian, Pfefferminze)
  • Grünspanbildung
Lavendel lässt sich hervorragend destillieren und bringt eine verhältnismäßig große Ausbeute an ätherischem Öl im Verhältnis zu anderen Pflanzen.

je nach Pflanzenart/-teil erhält man aus ca. 100 g frischem oder 150 g getrocknetem Pflanzenmaterial zwischen 80-100 ml Destillat. Es sollte die Destillation beendet werden, wenn die Hälfte, max 2/3 des eingefüllten Wassers im Auffangglas angekommen ist. Danach verschlechtert sich die Qualität des Destillates (s. Destillationszeit).

Vorbereitung der Pflanzen

Beim Lavendel werden vorzugsweise die Blüten destilliert, aber auch die Stengel können destilliert werden.
  • Blüten und feine Blätter werden i. d. R. frisch, sauber verlesen und nicht gewaschen ohne weitere Vorbereitung destilliert (Kamille, Rose, Melisse, Pfefferminze, Thymian, Oregano…)
  • Blüten und feine Blätter/Kraut können auch getrocknet destilliert werden
  • wachsüberzogenes u. harziges Pflanzenmaterial für einige Stunden in dem für die Destillation vorgesehenen Wasser einweichen u. diesen Ansatz in den Destillationskorb geben
  • Wurzeln müssen sehr klein geschnitten werden
  • Rinden, Holz, Früchte grob mörsern oder mahlen

Das Wasser

zur Destillation eignet sich nur Wasser guter Qualität. Ist das Leitungswasser sehr hart und stark gechlort, nimmt man

  • Quellwasser
  • sauberes Regenwasser
  • stilles Mineralwasser

Die Destillationszeit

ist abhängig vom

  • Typ der Destille
  • Pflanzenmaterial und den Siedepunkten seiner Bestandteile
  • Liegen die ätherischen Bestandteile an der Blattoberfläche wie bei den Lamiaceen (Thymian, Pfefferminze, Salbei, Melisse etc.), kann eine 15 minütige Destillation ausreichen. Die Destillation von Nadeln (Kieferarten), Rinden, Wurzeln oder Blättern mit Wachsschicht wie Lorbeer braucht eine deutlich längere Destillationszeit von bis zu 2 Stunden.

Der Geruch des Destillates informiert über den Fortschritt des Destillationsvorganges: kommt nur noch schwach oder überhaupt nicht mehr duftendes Wasser aus dem Auslauf, ist die Destillation abgeschlossen.

Siedeverzug ist die Bezeichnung für das Phänomen, dass Flüssigkeiten unter bestimmten Bedingungen über ihren Siedepunkt hinaus erhitzt werden können, ohne dass diese sieden und andererseits die Bezeichnung für das schlagartige Übersieden selbst.

Dieser Zustand ist gefährlich, da sich schon bei einer geringen Erschütterung plötzlich eine große Gasblase ausbilden kann, die dann explosionsartig aus dem Gefäß entweicht und oft siedende Flüssigkeit mitreißt. Dies tritt vor allem in engen, hohen Gefäßen auf, die wenig Raum für eine aufschäumende Flüssigkeit bieten. Glatte, ebene Gefäßwände, eine geringe Durchmischung und ein hoher Reinheitsgrad der Flüssigkeit begünstigen den Siedeverzug. Dieser Effekt tritt leicht ein, wenn man eine Flüssigkeit über den Siedepunkt erhitzt, ohne sie zu rühren. Wenn dann plötzlich der Verdampfungsprozess einsetzt und sich eine größere Gasblase gebildet hat, kann die Flüssigkeit mit hoher Geschwindigkeit weiter verdampfen. Die Gasblase dehnt sich dann explosionsartig aus und drückt dabei auch umgebende Flüssigkeit nach oben und kann dabei die Destille sprengen… Siedesteinchen zeigen den Beginn des Siedeprozesses durch Bläschenbildung an und helfen, den Siedeverzug zu verhindern, wenn man rechtzeitig die Temperatur drosselt.

Die Destille während der Destillation niemals aus den Augen lassen!

Achtung: Tritt aus dem Auslaufrohr Dampf, ist die Destille überhitzt und der Kühler muss Kaltwasserzulauf haben.

Die Menge ätherischen Öls nimmt im Laufe des Destillationsprozesses beständig ab. Das ätherische Öl schwimmt auf den Hydrolat auf und kann später vorsichtig abpipetiert werden.
600g Lavendelblüten ergaben gerade mal 2,5 ml ätherisches Öl und einen guten Liter Hydrolat.

Hydrolate (engl. Hydrosol)

Hydrolate im engeren Sinne sind Destillationswässer, „Nebenprodukte“, wie sie bei der Destillation von Pflanzen anfallen, aus denen man ätherische Öle gewinnt. Hydrolate sind das wässrige Kondensat, das nach Abkühlung des Destillationsdampfes und Abtrennung der ätherischen Öle nach der Wasserdampfdestillation verbleibt. Hydrolate nehmen inhaltlich eine Zwischenstellung ein: In ihnen finden sich die wasserlöslichen Komponenten der zur Destillation genutzten Pflanze, die auch ein Tee enthalten würde. Zudem enthalten sie in Spuren suspendierte ätherischen Öle, insbesondere die nur schwer wasserlöslichen Ätherischölkomponenten. Das sind etwa die durch Oxidation der Terpene entstandenen Alkohole oder die nach Esterhydrolyse entstandenen Verbindungen. Dazu gehören z.B. Monoterpen-Alkohole wie Citronellol, Linalool, Geraniol oder 1-Menthol. Hydrolate besitzen damit ein therapeutisch interessantes Inhaltsstoffspektrum.

Es werden jedoch auch aus Pflanzen über Destillation sog. Pflanzenwässer gewonnen, bei denen ätherische Öle keine Rolle spielen (z. B. Hamamelisrinde). Hydrolate bewähren sich v.a. in der Wundpflege und als Augenspülungen.

In der Tiermedizin können sie eingesetzt werden sowohl bei den geruchsempfindlichen Tieren als auch bei Tieren mit Unverträglichkeiten für Pflanzenstoffe (Feliden, Säuglinge, Säugende, geriatrische Patienten mit mangelhafter Glukuronidierungsleistung – auch Katze). Ebenso können sie bei Allergikern/Atopikern gute Dienste leisten.